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08/11/2011


Atypische Beschäftigungsverhältnisse - bleibt Luxembourg (weiterhin) vom Trend verschont?


Die atypische Arbeit, verbunden mit der Problematik von persönlicher Lebensplanung und beruflicher Unsicherheit, tangiert in Europa immer mehr Personen. Das Großherzogtum scheint jedoch von diesem Problem weniger stark betroffen zu sein.

chaplinDie offizielle Statistikbehörde Statec zeichnet in ihrem letzten Cahier Economique (Bericht über Arbeit und sozialen Zusammenhalt 2011), der sich mit dem Arbeitsmarkt befasst, ein vollständiges Bild mit Angaben zu den Einkünften, Lebensverhältnissen und zur Lebensqualität in Luxembourg.

Die wichtigsten demographischen, industriellen und sozialen Besonderheiten des Landes werden hier zwar durchaus kommentiert und mit den übrigen Ländern der Europäischen Union verglichen. Sie zeigen uns jedoch verglichen mit den regelmäßigen Veröffentlichungen über die Thematik wenig Neues.

Das 257 Seiten umfassende Dokument enthält jedoch Informationen über die Formen atypischer Arbeit im Großherzogtum, sei es, dass es sich um Schicht- oder Nachtarbeit handelt, die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit am Samstag oder Sonntag oder auch um Personen, die einem Zweitberuf nachgehen.

Um zuerst das Thema der Schichtarbeit zu behandeln, so erfahren wir von Statec, dass dies im Jahre 2010 für etwa 14% der luxemburgischen Arbeiter zutraf. Dieser Anteil wird als gering eingeschätzt, verglichen mit Deutschland (17%) oder auch Slowenien, der Slowakei und Polen, bei denen Prozentsätze von etwa 30% der Bevölkerung erreicht werden. Das Großherzogtum liegt jedoch deutlich vor Frankreich (7%) und Belgien (8%).

Was die Nachtarbeit betrifft, so leisteten diese im vergangenen Jahr 11,8% der Einwohner Luxembourgs, entweder in regelmäßiger Weise oder in außergewöhnlichen Fällen. « Bei getrennter Untersuchung der regelmäßig geleisteten Nachtschichtarbeit und der außerplanmäßigen Nachtschichtarbeit wird deutlich, dass die regelmäßig geleistete Nachtarbeit in Luxembourg weniger verbreitet ist- verglichen mit dem Durchschnittswert der 27 EU-Staaten (d.h. 4,9% im Vergleich mit 7,8%) », stellt die Studie fest. Letztgenannte betont übrigend, dass der Anteil der gelegentlich geleisteten Nacharbeit in Luxembourg einen Prozentsatz erreicht, der sehr nahe demjenigen der 27-EU-Staaten liegt (6,9% für Luxembourg, verglichen mit 7,2% der Europäischen Union).

Die Samstagsarbeit ist in Luxembourg recht weit verbreitet, stellt das Dokument für 2010 fest; etwa 33% der hier wohnenden Arbeitnehmer arbeiten an diesem Wochentag entweder regelmäßig oder gelegentlich. Auch diese Zahl liegt unter dem Wert von etwa 40%, der für Europa festgestellt wird, und er ist weit von dem Frankreich-Wert (48%) und dem Wert für Deutschland (44%) entfernt; der Prozentsatz liegt aber in der Nähe des belgischen Wertes.

Statec verweist hinsichtlich der Einzelheiten darauf, dass im Jahr 2010 « etwa 15% der in Luxembourg ansässigen Arbeitnehmer samstags arbeiteten, verglichen mit 22,5% in den 27 Staaten der EU ». 18,6% dieser Personen leisten gelegentliche Samstagsarbeit; (der Prozentsatz für Europa lautet 19,1%).

Die Studie belegt- bei genaueren Angaben zu den Geschlechtern-, dass 36,2% der hier wohnhaften männlichen Arbeitnehmer im Jahr 2010 samstags regelmäßig oder gelegentlich arbeiteten. In den 27 Staaten der EU liegen die Prozentsätze bei 43,8% für Männer und 39,2% für Frauen.

Und wie verhält es sich mit der Sonntagsarbeit? 21,8% der in Luxembourg wohnenden Arbeitnehmer befinden sich sonntags regelmäßig oder gelegentlich an ihrem Arbeitsplatz. «Genau wie andere Formen atypischer Arbeit liegt dieser Wert unterhalb des Durchschnittswerts der 27 EU-.Staaten (24,4% im Jahr 2010), » bestätigt Statec. Im Jahr 2010 lag dieser für Frankreich bei 28,1%, für Deutschland betrug er 25,4% und 20% für Belgien.

8% der in Luxembourg lebenden Arbeitnehmer haben im Jahr 2010 sonntags regelmäßig gearbeitet, verglichen mit 12% in Europa. « Wenn man die regelmäßige Sonntagsarbeit und die gelegentlich geleistete Sonntagsarbeit getrennt betrachtet, dann ergibt sich, dass Erstgenannte in Luxembourg – verglichen mit den 27 EU-.Staaten – weniger stark verbreitet ist, » stellt die Studie fest.

Der Prozentsatz der Arbeitnehmer, die sonntags gelegentlich Arbeitsverpflichtungen erfüllen, ist mit demjenigen der übrigen Länder der alten Kontinents vergleichbar und liegt sogar ein wenig höher, wobei ein Durchschnittswert von 13,8% erreicht wird; der Vergleichswert lautet 12,4%.

Bei der letzten zu beobachtbaren Form von atypischer Arbeit handelt es sich um den Zweitjob. In Luxembourg gehen nach Angaben der Statec-Studie lediglich 3% einem Zweitjob nach, das sind insgesamt etwa 6.700 Personen. Luxembourg belegt aufgrund dieser Zahl im Jahr 2010 nach wie vor einen Wert unterhalb des Niveaus der EU (der Prozentsatz beträgt 3,7%). Demgegenüber liegen die Zweitjob-Prozentwerte in Dänemark (wo ein Wert von 8,4% erreicht) wird, Polen (mit einem Prozentsatz von 7,3), den Niederlanden (7,2%) und Portugal (6%) am höchsten.

Die Erhebung bietet schließlich viele Zahlen, liefert aber wenig Erläuterungen. So unbedeutend die luxemburgischen Prozentsätze erscheinen mögen, so führt der Anstieg der atypischen Beschäftigung in Europa zu immer mehr Unruhe, besonders hinsichtlich der Arbeitsplatzsicherheit für Arbeitnehmer, die diese ausüben, äußert die Europäische Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (EUROFOUND).

« Ihr Profil ist tendenziell stark variierend, es reicht nämlich vom sehr gering qualifizierten Arbeitnehmer, der einen Saisonarbeitsvertrag besitzt, bis zu einem hoch qualifizierten Arbeitnehmer mit einem sehr spezifischen und befristeten Vertragsverhältnis, » stellt die Stiftung fest.

Sie unterbreitet eine Reihe von Ratschlägen und spricht sich insbesondere für eine besser koordinierte Reaktion der Mitgliedsstaaten aus, um sowohl den Wünschen der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber zu entsprechen.

Sie plädiert zudem für präventive Maßnahmen « betreffend die Gesundheit und die Sicherheit der atypische Arbeit leistenden Arbeitnehmer, um die betroffenen Parteien hinsichtlich einer gezielten Herangehensweise zu sensibilisieren. »

Das Problem des Armutsrisikos für diese Kategorie von Arbeitnehmern, das hier am höchsten ist, wird dabei nicht verschwiegen. Die Untersuchung erinnert auch daran, dass die politisch Verantwortlichen die Folgen und das Problem berücksichtigen sollten, das diese Schwarzarbeit in zahlreichen Ländern aufwirft; das Risiko besteht darin, dass diese atypischen Arbeitverhältnisse die Entwicklung in Richtung einer Schattenwirtschaft begünstigen.




Marc Alison
Deutsche Fassung: Walter Fries



editor@jobs.lu
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