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23/12/08
Luxemburg, der schlechte Schüler Europas für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer
Bei nur 32 % der älteren Mitbürger im aktiven Arbeitsleben ist Luxemburg mit Malta heute das Land der Europäischen Union mit der niedrigsten Beschäftigungsrate der 55- bis 64-Jährigen.
Ende November nahm François Biltgen an einer Konferenz über „die Beschäftigung der älteren Arbeitnehmer in der Europäischen Union“ teil, die eine Bestandsaufnahme der Beschäftigung der älteren Arbeitnehmer auf europäischer Ebene vorsah. Dem Arbeitsminister bot sich dort die Gelegenheit, die Lage in Luxemburg derjenigen in den anderen europäischen Ländern gegenüberzustellen.
Es gibt mehrere Gründe für die niedrige Zahl der älteren Arbeitnehmer auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt. Zuerst einmal historische Gründe. In den siebziger und achtziger Jahren war die gesamte Region von der Stahlkrise betroffen. Es wurden beträchtliche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet, deren Ziel „die Steigerung der Produktionskapazität der verbleibenden Standorte“ sowie „die Verkleinerung der Belegschaft in sämtlichen Hütten Luxemburgs“ war. Durch die Einführung des Vorruhestands wurden die älteren Mitarbeiter aufgefordert, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Diese Maßnahmen riefen damals zuerst ein starkes Trauma hervor, wurden jedoch schließlich allgemein begrüßt und sind heute ein fester Bestandteil der luxemburgischen Mentalität. Die heutige Wirtschaftslage in Luxemburg verstärkt diese noch. Viele ältere Arbeitnehmer können es sich leisten, so schnell wie möglich in Rente zu gehen.
Ein neuer, spezifisch luxemburgischer Grund kommt noch hinzu. Mit einer dreifach höheren Arbeitslosenrate als in Luxemburg verfügen die Länder der Großregion über ein großes Arbeitsreservoir für die luxemburgischen Unternehmen. Ihre Arbeitnehmer sind bei gleicher Qualifikation im Allgemeinen jünger als die einheimischen. Pragmatisch gesehen sind die älteren Mitarbeiter oft fachkundiger, aber sie kosten auch viel mehr.
François Biltgen gab seiner Hoffnung jedoch Ausdruck, die jetzige Mentalität zu ändern. Es gab schon einige Reformansätze, insbesondere Anreize im Bereich der Sozialversicherung zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit, Reformen im öffentlichen Dienst, Zuschüsse bei der Einstellung älterer Mitarbeiter, weniger finanzielle Anreize usw. Sind die Luxemburger bereit, auf diese Veränderungen einzugehen? Das jetzige Umfeld ist für die Einführung solcher Maßnahmen wirklich nicht günstig.
Sophie Sellier
Deutsche Fassung: Robert Mouris
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