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23/01/2012
Untersuchungen zu den Grenzgängern - ihre Arbeitsplätze und ihre Verkehrsmittelnutzung
Im Rahmen zweier kürzlich veröffentlichter Studien wird jeweils das berufliche Profil der Grenzgänger aus der Großregion und deren Transportmittelnutzung beim Weg von der Wohnung zum Arbeitsplatz erfasst.
«Wer sind die Grenzgänger der Großregion? » so lautet die Fragestellung der Statistikbehörde Statec in einer Erhebung, die im Dezember 2011 veröffentlicht wurde.
Im Jahr 2009 schätzte die Europäische Kommission (Generaldirektion Beschäftigung und Soziales) betreffend die fünfzehn Staaten der Europäischen Union die Zahl der Personen, die berufsbedingt zu ihrer Arbeitsstätte jenseits der Grenze fahren, auf 670.000 Menschen.
Die fünf Regionen, die in der Großregion diesen belgisch-französisch-deutsch-luxemburgischen Bereich (Wallonien, Lothringen, Saar, Rheinland-Pfalz, Luxemburg) umfassen, «bilden einen gemeinsamen Arbeitsmarkt, der 190.000 Grenzgänger umfasst und daher den größten europäischen grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt darstellt», schätzt die luxemburgische Statistikbehörde ein.
Allein Luxemburg beschäftigt im Jahr 2011 etwa 153.300 Arbeitnehmer, die entweder in Frankreich wohnen (75.700), bzw. in Belgien (38.900) oder in Deutschland (38.700) ansässig sind. Das Land nimmt im europäischen Ranking hinsichtlich der Grenzgänger-Zahl den Rang hinter der Schweiz ein.
Diese kürzlich realisierte Statec-Untersuchung zielt darauf, «für die fünf Regionen diejenigen Merkmale zu untersuchen, die die Wahrscheinlichkeit, in die Kategorie des Grenzgängers zu gelangen, beeinflussen»; dabei werden die individuellen Besonderheiten der Grenzgänger stärker in den Mittelpunkt gerückt als diejenigen ihres Arbeitsplatzes.
Jung, männlich, mit Diplomen...
Die Schlussfolgerungen sind eindeutig: Die Grenzgänger sind im Allgemeinen tendenziell jünger (die Alterskategorie von 35 bis 44 Jahren stellt die Mehrheit), und sie besitzen ein Bildungsniveau, das höher ist als das der örtlichen Erwerbspersonen, stellt die Studie fest, die außerdem festhält, dass «mehr Männer als Frauen» zu dieser Kategorie zählen; zudem heißt es, dass «in allen Regionen, mit Ausnahme Luxemburgs, die Tatsache, weiblichen Geschlechts zu sein, einen potentiell ungünstigen Einfluss auf die Entwicklung in Richtung des Grenzgänger-Status’ besitzt».
Die Grenzgänger der Großregion besitzen – verglichen mit den örtlichen Erwerbspersonen – mehrheitlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Der Anteil der Personen mit befristetem Arbeitsvertrag bzw. mit Teilzeitvertrag ist geringer und ihre Arbeitsbedingungen sind allgemein stabiler. Tendenziell leisten sie mehr Arbeitsstunden, was in der Untersuchung «als eine potentielle Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Einkommen» interpretiert wird.
Hinsichtlich der Verkehrsströme der Grenzgänger bestehen quantitativ deutliche Unterschiede: An einem anderen Ort der Großregion arbeiten 8,5% der lothringischen Erwerbsaktiven, 4,2% derjenigen des Saarlandes, 2,3% aus Rheinland-Pfalz und 2,2% aus der Wallonie. Demgegenüber verzeichnet Luxemburg nur 0,2% Grenzgänger in anderen Regionen.
«Die grenzüberschreitende Mobilität der Arbeitnehmer ist integraler Bestandteil der Beschäftigungsstruktur und der Wirtschaft der Großregion und stellt hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der regionalen Wirtschaft einen nicht unbeträchtlichen Faktor da », stellt Statec fest.
Da sich die Untersuchungsergebnisse hauptsächlich auf die Jahre von 2006 bis 2009 beziehen, bleiben die Auswirkungen der Wirtschaftskrise des Jahres 2009 auf das Profil der Grenzgänger ausgeblendet. Im Rahmen einer späteren Studie könnten die Besonderheiten dieser Rezession hinsichtlich der typischen Grenzgänger-Eigenschaften und der Einkommensverhältnisse der Personen dieser Arbeitnehmerkategorie, die einen immer größeren Teil der luxemburgischen Erwerbsbevölkerung ausmacht, detailliert analysiert werden.
Transportmittel - Pkw, Bus, Eisenbahn...
Das Forschungsinstitut CEPS/INSTEAD seinerseits veröffentlicht eine Studie über die seitens der Grenzgänger benutzten Transportmittel, betreffend deren Fahrten zu ihren Arbeitsplätzen.Die wichtigste Schlussfolgerung besteht darin, dass im Jahr 2010 14% der Grenzgänger hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel benutzt haben; dies stellt – so die Studie – eine deutliche Steigerung zugunsten von Bahnen und Bussen dar.
«Der Anstieg zwischen 2007 und 2010 war bei denjenigen Grenzgängern, die in Frankreich wohnten (mit plus 6 Punkten) und auch für Deutschland (plus 5 Punkte) am stärksten, verglichen mit denjenigen, die in Belgien wohnten (plus 1,5 Punkte). Diese Entwicklung ist – so die Studie- haupt-sächlich auf erhebliche Anstrengungen zur Entwicklung der öffentlichen Verkehrsmittel in diesem Zeitraum zurückführbar.
Es ist zutreffend, dass Anstrengungen unternommen wurden, die Zugverbindungen zu intensivieren und das grenzüberschreitende Eisenbahnsystem zu verbessern, was sich – nach Angaben der Studie – in einer Erhöhung der Anzahl der grenzüberschreitenden Zug-Passagieren um 3.200 Personen zeigte. Unter ihnen ist der Anteil der lothringischen Arbeitnehmer - besonders aus dem Raum Metz und Thionville – am höchsten; ihre deutschen Kollegen erreichen bei der Nutzung dieses Beförderungsmittel den geringsten Wert.
Was die Busverbindungen betrifft, so nahm die Zahl der Nutzer noch stärker zu (plus 4.300). Auf der französischen Seite ist dieser Anstieg das direkte Ergebnis der Schaffung neuer grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen im nördlichen Lothringen. Während bei der Nutzung der Busverbindungen durch deutsche Grenzgänger die Zahlenwerte ebenfalls ansteigen, bleibt die Zahl der Nutzer aus Belgien stabil, stellt die Untersuchung fest.
In der CEPS/INSTEAD-Untersuchung heißt es:«Trotz des relativen Rückgangs der PKW-Nutzung - verglichen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln - nahm die Zahl der Grenzgänger, die hauptsächlich den Pkw benutzten, seit dem Jahr 2007 ebenfalls zu (plus 10.000). Das Car-Sharing bleibt anteilsmäßig bei einem Wert von 15% stabil, man kann daraus schlussfolgern, dass der grenzüberschreitende Automobilverkehr in diesem Zeitraum weiterhin zugenommen hat.»
Die wichtigsten Ergebnisse dieser Umfrage werden zu einem späteren Zeitpunkt in Veröffentlichungen zugänglich gemacht; dies betrifft besonders die Einstellung der Grenzgänger zu den verschiedenen Verkehrsmitteln. Die Analyse der Wegstrecken und der Reisezeiten könnte ebenfalls dazu beitragen, die Thematik der Verkehrsströme besser zu erfassen; allgemein könnte dadurch analysiert werden, wie sich die Schwierigkeiten bei den täglichen Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsstätte entwickelt haben, stellt das staatliche Forschungsinstitut fest.
Marc Alison
Deutsche Fassung: Walter Fries
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