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16/11/2011
Anmerkungen zum Thema: Statistische Erfassung krankheitsbedingten Fernbleibens vom Arbeitsplatz
Die offizielle Beobachtungsstelle hinsichtlich der Arbeitsversäumnisse (Observatoire de l'Absentéisme au Travail, OAT) kündigte in einer kürzlich verbreiteten Pressemitteilung an, dass die erste halbjährliche Aktualisierung ihrer Daten über die Privatunternehmen realisiert werde.
Damit bietet sich für dieses im Mai 2011 gegründete offizielle staatliche Gremium die Gelegenheit, sechs Monate nach seiner Gründung bezüglich des krankheitsbedingten Fernbleibens vom Arbeitsplatz in Privatunternehmen auf die Lage im Großherzogtum Luxemburg im Jahr 2010 einzugehen.
"Die Problembewältigung hinsichtlich der Arbeitsversäumnisse rangiert unter den politischen Prioritäten, zu denen sich die Regierung öffentlich bekennt," erläutert das Observatoire, zu dem CEPS/INSTEAD, die Generalinspektion der Sozialversicherung (Inspection Générale de la Sécurité Sociale, IGSS) und der Ausschuss von Führungskräften (Groupe de Haut Niveau) gehören ; dem Letztgenannten gehören die Ministerien für Sozialversicherung, Arbeit und Beschäftigung und auch die Sozialpartner an.
Das erklärte Ziel besteht darin, den Dialog innerhalb von Unternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 10 Arbeitnehmern weiter zu entwickeln, hinsichtlich eines Problems, das in den meisten Ländern nicht nur an Bedeutung gewinnt, das auch - für die Unternehmen und den Staat- einen beträchtlichen Kostenfaktor darstellt und zudem die Wettbewerbsfähigkeit des Landes negativ beeinflusst.
Die Kennzahlenübersicht und die Indikatoren
Aufgrund dieser im Halbjahresrhythmus realisierten Aktualisierung von Seiten des OAT-Gremiums können die Unternehmen - insbesondere mit ihren Sozialpartnern- auch eine Prognose hinsichtlich der Arbeitsversäumnisse innerhalb ihres Unternehmen erstellen und ihre Lage mit derjenigen anderer Unternehmen der gleichen Branche vergleichen.
Diese Bestandsaufnahme wird konkret in Form einer Kennzahlenübersicht erstellt, in der die Arbeitsversäumnis-Indikatoren verzeichnet sind; erfasst sind hier beispielsweise die Prozentsätze des krankheitsbedingten Fernbleibens vom Arbeitsplatz unter Berücksichtigung von Arbeitsstatut oder Art des Arbeitsversäumnisses, die Zahl der Fehltage aufgrund von Mutterschaft oder Arbeitsunfällen…Neben den auf das Unternehmen bezogenen Daten werden hier auch die Branchen-Durchschnittswerte verzeichnet.
Bei diesem Programm – dem lobenswerte Absichten zugrunde liegen - stellen sich jedoch drei grundsätzliche Fragen, und es drängen sich folgende Anmerkungen auf; zuerst stellt sich die Frage der aktiven Einbeziehung der Unternehmen. Sind die von ihnen übermittelten Daten zuverlässig und überprüfbar? Widerspiegeln diese die Trends der jeweiligen Branche? Zeigen die Unternehmensleitungen Dialogbereitschaft und kooperieren sie hinsichtlich des Themas mit ihren Sozialpartnern?
Keine Informationen von den staatlichen Verwaltungen
Zweitens sei angemerkt, dass der öffentliche Dienst seinerseits in diese Daten-Zusammenstellung jedoch nicht einbezogen wird, denn die Beamten fallen nicht unter das Einheitsstatut. Es stellt sich folgende Frage: Welches Maßstab setzende Beispiel und welche bewährten Praktiken kann der Staat den anderen Akteuren des nationalen Wirtschaftslebens in glaubwürdiger Weise vermitteln, um diesem „Übel“ der Arbeitsversäumnisse entgegen zu treten, wo der Staat dieses Gremium (des Observatoire de l'Absentéisme au Travail) doch selbst managt und finanziert?
Dies gilt umso mehr, als der öffentliche Dienst nach wie vor der wichtigste Arbeitgeber im Großherzogtum ist. Die Statistikbehörde Statec verweist darauf, dass der öffentlichen Sektor im Jahr 2009 immerhin 34.375 Beamte und Angestellte umfasste, das bedeutet 9% der nationalen Beschäftigtenzahl; die nationale Statistikbehörde schätzt die Gesamtzahl der Beschäftigten für den Monat September 2011 auf 378.484 Personen.
Fehlende Transparenz
Schließlich sei festgehalten, dass diese seitens des OAT vorgenommene Zusammenstellung von Daten strenger Vertraulichkeit unterliegt und die breite Öffentlichkeit keinen Zugriff auf diese besitzt. Ohne dass vertrauliche Daten verbreitet oder die Unternehmen öffentlich angeprangert werden sollten, so wäre es doch angemessen, diese Informationen der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wie diese ja auch die die Unternehmen betreffenden Wirtschafts-informationen erhält.
Die Arbeitnehmer bleiben diejenigen, die die Problematik der Arbeitsversäumnisse am meisten betrifft ; sie wählen ihre Personalvertretungen ; sie entscheiden sich auch für das Unternehmen, in dem sie arbeiten möchten ; sie gehören zudem zu den wichtigsten Beitragszahlern hinsichtlich der Sozialversicherungsbeträge im Lande.
Daher wären allen Interessierten zugängliche Informationen sicherlich ein sehr wirksames Instrument, um sowohl die Arbeitsversäumnis-Fälle zu vermindern, aber auch um den Grad der Zufriedenheit der Arbeitnehmer in den Unternehmen zu steigern und auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit der Letztgenannten zu stärken.
Im Zeitalter der Nachhaltigkeit und der sozialen Verantwortung der Unternehmen wäre es diesbezüglich konsequent, solche Arbeitsversäumnis-Indikatoren in die Erfassung dieser Werte bei Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung einzubeziehen. Denn sie spiegeln auch die bewährten Praktiken im Arbeitsschutz und hinsichtlich der betrieblichen Sozialpolitik eines Unternehmens wider; deren große wirtschaftliche und soziale Bedeutung wurde schon hinlänglich betont, was auch für die Verantwortung der Unternehmen beim Umweltschutz und bei der Übernahme sozialer Verantwortung gilt.
Marc Alison
Weitere Informationen
Über das Thema des Fernbleibens vom Arbeitsplatz
Bestandsaufnahme hinsichtlich des krankheitsbedingten Fernbleibens vom Arbeitsplatz im Jahr 2010 (Luxemburg)
Bestandsaufnahme hinsichtlich des krankheitsbedingten Fernbleibens vom Arbeitsplatz in Europa im Jahr 2010 (Synthese)
Bestandsaufnahme hinsichtlich des krankheitsbedingten Fernbleibens vom Arbeitsplatz in Europa im Jahr 2010 (Vergleichsstudie)
Über die soziale Verantwortung der Unternehmen (SVU), [la responsabilité sociale de l’entreprise (RSE)].
http://www.indr.lu/
http://www.guichet.public.lu/
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