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23/09/08
Nulldiskriminierung als Ziel
Vielleicht hatten Sie diese Woche ein gelbes Faltblatt in Ihrem
Briefkasten liegen. Marie-Josée Jacobs, Ministerin für Familie und
Integration, stellte dieses Faltblatt am vergangenen 10. September im
Beisein von Patrick de Rond, Präsident des Zentrums für Gleichbehandlung,
vor. Dieses Faltblatt erklärt ausführlich die Bestimmungen des Gesetzes
vom 28. November 2006 über die Gleichbehandlung.
Sich Fragen über Diskriminierung zu stellen ist eine relativ neue
Entwicklung in Luxemburg. Das Faltblatt weist darauf hin, dass das
Gesetz von nun an alle schützt, die glauben, Opfer von Diskriminierung
zu sein, und dass das Zentrum für Gleichbehandlung sie hierbei
informiert. Wir nehmen dies als Anlass, eine Zwischenbilanz über die
Diskriminierung in Luxemburg zu ziehen.
Luxemburg unterscheidet sich vom Rest Europas in Sachen
Diskriminierung
Eine Meinungsumfrage des TNS ILRes vom Januar 2007 belegt, dass „47 %
der Luxemburger der Auffassung sind, dass in Luxemburg genug gegen die
Diskriminierung unternommen wird“, gegenüber 44 % der Leute, die das
Gegenteil annehmen. Im Gegensatz dazu sagen nur 28 % der Luxemburger,
dass sie selbst über ihre Rechte Bescheid wissen, sollten sie Opfer
einer Diskriminierung werden.
Die Umfrage belegt deutlich, dass die luxemburgische Bevölkerung
toleranter und der Verschiedenartigkeit aufgeschlossener ist, als dies
in den andern europäischen Ländern der Fall ist. 50 % der Luxemburger
gegenüber 62 % in der EU sind der Ansicht, dass die Leute wegen ihrer
ethnischen Herkunft benachteiligt werden, 42 % (54 % in der EU) dass die
Homosexualität dies verursacht oder 26 % (39 % in der EU) dass es die
Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit tut.
Ein multikultureller Arbeitsmarkt in Luxemburg
Luxemburg hebt sich von den andern Ländern Europas im Bereich der
Diskriminierung durch seinen weitgehend internationalen Arbeitsmarkt ab.
Dieser besteht sowohl aus Grenzgängern aus der Großregion als auch aus
ausländischen Mitbürgern, die zum großen Teil aus Ländern der
Europäischen Union stammen (insbesondere aus Portugal).
Laut dem Bericht, den der Ausländerrat der Regierung 2005
veröffentlichte, sind das Alter und die Staatsangehörigkeit die
Hauptgründe der Diskriminierung; die Volks- oder Rassenzugehörigkeit
liegen an vierter Stelle. Übrigens betrifft die Diskriminierung eher die
außereuropäischen Staatsangehörigen als die europäischen Arbeitnehmer.
„Das Einstellungsverfahren ist problematischer als alle anderen Bereiche
des Arbeitsverhältnisses“, steht im Bericht zu lesen. Die älteren
Arbeitsuchenden, die Behinderten, die Nicht-EU-Bürger und die Moslems
erleben die meisten Diskriminierungen bei der Einstellung, im Gegensatz
zu den Grenzgängern und den Homosexuellen.
Was den Lohn betrifft, stellt man Lohnunterschiede fest, die weitgehend
die Luxemburger gegenüber den Südeuropäern und den Grenzgängern
bevorteilen.
Schließlich ist Mobbing die häufigste Diskriminierungsart, die besonders
Mitarbeiter am Ende ihrer Laufbahn und Jugendliche betrifft.
Sophie Sellier
Deutsche Fassung: Robert Mouris
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